Das Recht am eigenen Bild

 

Bei der Auswahl des Motivs gibt es vor der Veröffentlichung

des Bildes ebenfalls einiges zu beachten.

Grundsätzlich kann jeder Mensch selbst darüber

entscheiden, ob und welche Bilder von ihm

veröffentlicht werden. Vor jeder Veröffentlichung muss

eine entsprechende Einwilligung der betroffenen

Person(en) eingeholt werden, dies ist in § 22 S. 1

Kunsturhebergesetz (KUG) geregelt.

Bei Fotos von Minderjährigen, insbesondere von

Kindern, ist immer die Erlaubnis der Erziehungsberechtigten

einzuholen.

Eine Einwilligung muss nicht immer ausdrücklich

erfolgen, sie kann auch konkludent, also durch

schlüssiges Handeln, abgegeben werden, etwa durch

bewusstes „in Pose setzen“ oder ein Kopfnicken.

Aber Vorsicht: eine Einwilligung zur Herstellung

der Fotografie bedeutet nicht automatisch eine

Einwilligung zur Veröffentlichung!

In einem Streitfall trifft den Veröffentlichenden

die Nachweispflicht, dass eine Erlaubnis zur

Veröffentlichung vorgelegen hat. Eine schriftliche

Einwilligungserklärung schafft Rechtsklarheit und ist

in jedem Fall zu empfehlen, s. Muster im Anhang.

Die beliebten Fotoshows, z. B. vom letzten Betriebsausflug,

die im Intranet des Unternehmens gezeigt

werden sollen, unterliegen ebenfalls der Einwilligung

sämtlicher abgebildeter Personen. Diese mögen zwar

die Einwilligung zur Aufnahme des Fotos gegeben

haben, dies bedeutet aber nicht, dass die Fotos auch

veröffentlicht werden dürfen.

Ausnahmen von dem Erfordernis der Einwilligung

 

Es gibt jedoch auch Fälle, in denen es nicht möglich

oder nötig ist, die Abgebildeten um Erlaubnis zu fragen.

Das Gesetz kennt daher drei Ausnahmen, in denen das

Recht am eigenen Bild nicht gilt.

• Die erste Ausnahme greift bei Personen der

Zeitgeschichte, also Prominenten, deren im

öffentlichen Raum aufgenommene Abbildungen

auch ohne Zustimmung veröffentlicht werden

dürfen, § 23 Abs. 1 Ziff. 1 KUG.

Zu unterscheiden ist hiervon die Aufnahme von

Personen (prominent oder nicht), die sich in einer

Wohnung oder einem gegen Einblick besonders

geschützten Raum befinden (z. B. offensichtlich

zurückgezogen zu einer Besprechung in eine Ecke im

Raum). Wer hier unbefugt Bildaufnahmen herstellt

und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich

verletzt, muss sogar mit strafrechtlichen Folgen

rechnen, § 201a StGB.

• Die zweite Ausnahme betrifft Aufnahmen im

Rahmen von „Versammlungen, Aufzügen oder

ähnlichen Vorgängen”, § 23 Abs. 1 Ziff. 3 KUG.

Es muss sich jedoch um öffentliche Versammlungen

handeln. Fotos von Vorlesungen in Hörsälen fallen

nicht unter diesen Ausnahmetatbestand.

Diese Ausnahme erlaubt Bilder von öffentlichen

Veranstaltungen wie Versammlungen, Straßenfesten

oder Demonstrationen. Bilder von diesen

Versammlungen dürfen dabei grundsätzlich nicht

gezielt einzelne Personen hervorheben, sondern

müssen das Gesamtgeschehen dokumentieren.

Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass es bei der

Begrü.ungsfeier zu Semesterbeginn erlaubt ist,

ein Foto mit einer größeren Gruppe von Studenten

zu veröffentlichen. Wer einzelne Teilnehmer zeigen

möchte, benötigt deren Erlaubnis.

• Die dritte Ausnahme erlaubt Fotos von Personen

auch dann ohne Zustimmung, wenn die Abgebildeten

„bloßes Beiwerk” eines Motivs sind, § 23 Abs. 1

Ziff. 2 KUG.

So wird es wohl kaum möglich sein, tagsüber

ein berühmtes Bauwerk oder eine Statue zu

fotografieren, ohne dass dort Menschen zu sehen

sind. Dementsprechend dürfen Sie z. B. Bilder vom

„Friedberger Ei“ veröffentlichen, auf denen am

Rande dort anwesende Studenten abgebildet sind.

Die Grenze ist aber dann überschritten, wenn die

dargestellte Person klar zu erkennen ist oder im

Mittelpunkt des Bildes steht.